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Fatigatio e.V.

LDN-Therapie – Ein Erfahrungsbericht

Das erste Mal von einer Therapiemöglichkeit mit LDN (Low Dose Naltrexon) erfuhr ich aus dem CFS Forum Heft Nr. 32/2012 durch den Artikel* von Dr. Strienz.

Ich fand diese Möglichkeit sehr interessant, hatte nur leider keinen Arzt der mir dabei weiter helfen konnte.

Erst ein ¾ Jahr später, im Februar 2013, schlug mir meine neue Neurologin vor einen Versuch mit LDN zu machen. Alle anderen Therapieversuche waren gescheitert oder hatten zu einer Verschlechterung meiner Situation geführt bzw. waren für mich finanziell unerreichbar. Sie meinte, dass sie bereits mehrere Patienten hätte, bei denen die sonst üblichen Therapien nicht hilfreich waren und die jetzt mit LDN durchaus Erfolge erzielen.

Ich wartete zunächst noch einen geplanten Krankenhausaufenthalt im Feb./März 2013 in der Spezialklinik Neukirchen ab, der tatsächlich eine Verbesserung  brachte. 3 Wochen nach Neukirchen zog  ich mir dann einen grippalen Infekt zu und wie üblich war der Infekt recht langwierig und erheblich schwerer ausgeprägt als es gesunde Menschen erleben. So wie ich es schon seit ca. 1,5 Jahren kannte entwickelte sich, nachdem ich den Infekt gerade überwunden hatte, ein nächster CFS-Krankheitsschub.

Dies war der Zeitpunkt an dem ich begann im Internet zu recherchieren und nach weiteren Informationen zu LDN zu suchen. Leider gibt es sehr wenig deutschsprachige Seiten zu diesem Thema dafür aber umso mehr internationale Foren in denen über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, die kaum vorhandenen Risiken und die geringen Nebenwirkungen berichtet wird. Diese Recherchen, entsprechenden CFS-Erfolgsgeschichten sowie das Buch von Josef Pies** und die vergleichsmäßig geringen Kosten der Therapie haben dazu geführt, dass ich mich für eine Behandlung mit LDN entschied.

Meine Ärztin gab mir ein Therapieschema und bestellte für mich die Kapseln mit den verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen in einer Apotheke, die LDN-Kapseln individuell herstellt.

Ich begann mit einer sehr geringen Dosis von 0,5 mg, steigerte am nächsten Tag auf 1 mg und dann alle 2 -3 Tage um 0,5 mg (nach entsprechendem Schema). Ziel waren zunächst 3,5 mg – die übliche Erhaltungsdosis. Erst als ich diese Dosis einige Zeit eingenommen und gut vertragen hatte erhöhten wir noch einmal schrittweise auf die Maximaldosierung von 4,5 mg, die ich bis heute beibehalte. Diese vorsichtige Steigerung empfand ich als sinnvoll und hilfreich, da ich zusätzlich auch an MCS leide und bereits in einer sehr schlechten gesundheitlichen Verfassung war und mein Körper immer wieder unvorhersehbare Reaktionen auf verschiedenste Substanzen zeigte.

Als einzige mögliche Nebenwirkung werden offiziell Schlafstörungen angegeben, die sich jedoch normalerweise nach der Anfangsphase wieder legen. Doch von zusätzlichen Schlafstörungen blieb ich – Gott sei Dank – verschont. Allerdings bemerkte ich eine Nebenwirkung, von der ich bisher nichts gelesen oder gehört hatte. Jede Mal als ich die Dosis steigerte hatte ich für ca. 1 Tag Verdauungsstörungen, genauer gesagt Bauchkrämpfe und Durchfall, die sich am nächsten Tag aber schon wieder legten.

Erste Verbesserungen verspürte ich nach wenigen Wochen. Zuerst fiel mir auf, dass die MCS-Reaktionen und Hautentzündungen etwas abnahmen. Zudem wirkten sich eine erneute Pollenallergie und ein darauf folgender Infekt nicht mehr so gravierend und langwierig aus. Auch der CFS-Schub der sich wie üblich nach dem Infekt entwickelte war diesmal nicht so stark ausgeprägt und bildete sich schneller wieder zurück. Erstaunlicherweise wird von diesen positiven Wirkungen bisher nirgendwo berichtet. Nach und nach ließen auch die Kopf-, Augen-, Gelenk- und Muskelschmerzen etwas nach.

Zwischendurch informierte mich meine Neurologin über neue Erkenntnisse zu LDN. In Kombination mit Alpha-Liponsäure und Glutathion könne es noch wirksamer sein.

Ab diesem Zeitpunkt nahm ich also zusätzlich Alpha-Liponsäure ein. Normales reduziertes Glutathion hatte ich bei früheren Versuchen nicht als hilfreich  empfunden, Tationil-Infusionen und S-Acetyl-Glutathion waren aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Im Sommer durchlebte ich einen weiteren – diesmal sehr schweren und langwierigen - CFS-Krankheitsschub, der durch wochenlange Überlastungen, permanenten Überschreitungen der Leistungsgrenzen und einem Autounfall mit einem Schleudertrauma ausgelöst wurde. Es ging mir über viele Wochen gesundheitlich extrem schlecht, ich war nicht mehr in der Lage mich selbst zu versorgen und suchte verzweifelt nach einer Lösung. Deshalb startete ich doch einen zusätzlichen Versuch mit S-Acetyl-Glutathion (SAG). Ich war erstaunt über die schnelle und gute Wirkung, denn innerhalb weniger Tage ließen die ständige Atemnot, das Herzrasen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, extreme Schwäche usw. nach.

Jetzt könnte man meinen, dass nicht das LDN den Erfolg gebracht hat sondern das SAG. Erst als ich zufälligerweise an einem Abend die Einnahme des LDN vergessen hatte, merkte ich am nächsten Tag um wie viel schlechter es mir ohne dieses Medikament geht und dass die Schmerzen ohne diesen Wirkstoff deutlich stärker sind. Deshalb glaube ich letztendlich, dass tatsächlich die Kombination der Wirkstoffe eine erneute Verbesserung brachte.

An der CFS-Gesamtproblematik, der Erschöpfung, der fortschreitenden Muskelschwäche und den Muskelverhärtungen am ganzen Körper änderte sich leider bisher nichts. Allerdings wurden die MCS-, Haut- und Schmerzsymptomatik, Infekte und Allergien abgemildert. Und ich empfinde  - bei diesem komplexen und ausgeprägten Krankheitsbild - jeden noch so kleinen Teilerfolg als hilfreich.

Jeder Patient wird wahrscheinlich anders auf solch ein Medikament reagieren, manch einer mit einem durchschlagenden Erfolg, manch einer evtl. nur mit mäßigen Verbesserungen, aber ein Versuch ist meist sinnvoll und gerechtfertigt. Das ist meine persönliche Meinung – und ich hoffe, dass ich dem einen oder anderem CFS-Patienten damit etwas Hoffnung und Mut geben kann.

Ich finde es erstaunlich, dass ein preisgünstiges Medikament mit so geringen Risiken und Nebenwirkungen und solch einem breiten, möglichem Erfolgssprektrum in Deutschland – im Gegensatz zum internationalen Ausland – so wenig Aufmerksamkeit erhält oder sogar auf Ablehnung in medizinischen Fachkreisen stößt. 

 

*Diesen Artikel finden Sie nochmals unter www.fatigatio.de

  Siehe auch: www.fatigatio.de/fachartikel/fachartikel-zu-ldn/

 

**Buchtitel: „LDN – Niedrig  dosiertes Naltrexon – eine vielversprechende Therapie bei MS,   

                       Morbus Crohn, HIV, Krebs, Autismus, CFS und anderen Autoimmun- und  

                       neurodegenerativen Erkrankungen“, VAK Verlag

                       siehe auch: www.regensburg.fatigatio.de/service/buchempfehlungen/

 

Weitere Informationen zu LDN finden sie hier:

www.regensburg.fatigatio.de/service/links/